Diversität wertschätzen
"Diskriminierung ist von Menschen erfunden worden und Menschen sind es, die dazu beitragen können, sie abzubauen."
(Josephine Arpaku)
Diversität wertzuschätzen bedeutet, den Reichtum zu erkennen, den unterschiedliche Menschen aufgrund unterschiedlicher Biographien für das Zusammenleben mitbringen.
Als Ort gemeinsamen Lernens soll Schule dazu dienen, gesellschaftliche Vielfalt zu respektieren und zum Abbau von Privilegien, sozialer Ungleichheit und Diskriminierung beizutragen, um gleichberechtigte Partizipation zu ermöglichen. Grundlage dafür ist, dass alle am Schulleben Beteiligten Diversität wahrnehmen und als schulische Realität anerkennen.
Lehrkräfte spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie die Akzeptanz von Verschiedenheit bei Kindern und Jugendlichen fördern. Dementsprechend sollen sie in ihrer Ausbildung dazu befähigt werden, eine Lernumgebung zu schaffen, in der sich alle Schülerinnen wertgeschätzt und ermutigt fühlen, unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen und Hintergründen, gemeinschaftlich zu lernen.
Powerpoint Zukunftsthema Diversität
Jahresmotto Kurs 2026: Diversität wertschätzen
Das Jahresmotto für den Kurs 2026 lautet "Diversität wertschätzen". Aus dem Kurs heraus werden Ideen entwickelt, um das Thema verstärkt in der Seminaröffentlichkeit zu präsentieren. https://nx55928.your-storageshare.de/s/tSniMXt5z582nxB

In der vergangenen Woche fand im Forum auf dem Bildungscampus in Heilbronn eine hochkarätige Veranstaltung des Seminars für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Heilbronn (Gymnasium) statt. In Kooperation mit der aim (Akademie für Innovative Bildung und Management) beleuchtete der Bildungswissenschaftler und Rassismusforscher Prof. Dr. Karim Fereidooni von der Ruhr-Universität Bochum die drängenden Fragen von Diversität, Chancengerechtigkeit und Teilhabe im heutigen Schulsystem.
In seinem Vortrag verdeutlichte Prof. Dr. Fereidooni, wie wichtig eine fundierte Diversitätssensibilität in der pädagogischen Profession ist. Anhand aktueller empirischer Studien – wie dem Vielfaltsbarometer 2025 der Robert Bosch Stiftung – zeigte er auf, dass die Akzeptanz von Vielfalt in der Gesellschaft spürbar zurückgegangen ist und Lehrkräfte hier aktiv gegensteuern müssen. Zwei wissenschaftliche Kernkonzepte standen dabei im Fokus:
- Intersektionalität: Die Erkenntnis, dass verschiedene Diskriminierungsmerkmale (wie Geschlecht, soziale Herkunft, Religion oder Hautfarbe) nicht isoliert voneinander wirken, sondern sich in ihren Wechselwirkungen gegenseitig verstärken.
- Positioniertheit und Positionierung: Während die Positioniertheit die gesellschaftlich zugewiesene, nicht selbstgewählte Rolle einer Person beschreibt, bezeichnet die Positionierung die bewusste, aktive Haltung, die man gegenüber diesen Verhältnissen einnimmt – beispielsweise durch das kritische Reflektieren und Teilen von eigenen Privilegien im Schulalltag.
Fereidooni problematisierte in diesem Zusammenhang die pädagogische Gratwanderung zwischen der De-Thematisierung und der Reproduktion von Differenzen im Schulalltag. Für einen professionellen Umgang mit Vielfalt forderte er eine kritische Reflexion der zugrundeliegenden Differenz- und Unterscheidungslogiken anhand zweier Leitfragen:
- Wann erfordert pädagogische Gerechtigkeit das Betonen von Gleichheit, und wann das Sichtbarmachen von Unterschiedlichkeit?
- Und welche Mechanismen führen überhaupt zur Kategorisierung und Hierarchisierung von Personengruppen?
Die Entscheidung darüber, ob eine Differenzkategorie Beachtung finden sollte, müsse stets von der situativen Relevanz und dem spezifischen Kontext abhängig gemacht werden, um bestehende Benachteiligungen gezielt auszugleichen, anstatt marginalisierte (Bevölkerungs-)Gruppen auf ihre Differenz zu reduzieren.
Im Anschluss an den Vortrag folgte eine einstündige Podiumsdiskussion, die das theoretische Fundament direkt in die Schulpraxis und die Lehrkräftebildung übersetzte. Auf dem Podium debattierten:
- Prof. Dr. Karim Fereidooni
- Martina Geiger (Direktorin des Seminars Heilbronn)
- Marco Haaf (Geschäftsführer der aim Heilbronn)
Die Diskussion wurde von Cajus Wypior (Bereichsleiter am Seminar Heilbronn) und Patrick Walz (Lehrbeauftragter für das Fach Geographie am Staatlichen Seminar) geleitet.
Gemeinsam mit dem Publikum wurde erörtert, wie konkrete Handlungsempfehlungen – von der strukturellen Verankerung von Diversitätsstrategien über multiprofessionelle Teams bis hin zur gezielten Stärkung der Empathiefähigkeit bei Schüler*innen – an den Schulen und in der Ausbildung realisiert werden können. Ein besonders wichtiger Moment der Diskussion widmete sich zudem der Bedeutung der frühkindlichen Förderung, um Bildungsbarrieren von Anfang an abzubauen. Als eine weitere zentrale Herausforderung der nahen Zukunft hob Prof. Dr. Fereidooni darüber hinaus das Problem und die Komplexität einer erschwerten Integration von zugewanderten Personengruppen in einem höheren Lebensalter in das deutsche Schulsystem hervor, was neue, flexible Konzepte der Beschulung und Förderung erfordert.
Die Veranstaltung hat eindrücklich gezeigt: Vielfalt in der Schule ist keine Option, die man sich aussucht, sondern gelebte Realität. Wie wir als Lehrkräfte und Ausbildungsinstitutionen darauf reagieren, entscheidet über den Bildungserfolg der kommenden Generationen.

Die AG Diversität hat passend zu unserem Jahresmotto 2026 „Diversität wertschätzen“ die beeindruckende Ausstellung „Was ihr nicht seht“ von Dominik Lucha organisiert. Dabei geht es um alltägliche Rassismuserfahrungen in Deutschland. Weitere Informationen unter:
ausstellung@wasihrnichtseht.org
Der Initiator der Ausstellung, Dominik Lucha, sagt in einem Interview: „Wenn ich danach gefragt werde, wo ich herkomme, sind viele unzufrieden, wenn ich antworte: Ich komme aus Ravensburg. Denn eigentlich erwarten sie etwas anderes. Die ständige Frage nach der Herkunft ist nur ein Aspekt von vielen, der deutlich macht, dass wir alle rassistisch sozialisiert sind. Wir haben Vorurteile aus unserem Lebensumfeld in unser Glaubenssystem übernommen. Das ist vielen Menschen zwar nicht klar, aber daran gilt es zu arbeiten.
Ich lebe in Berlin, aufgewachsen bin ich in Ravensburg und selbstverständlich bis heute mit dem Ort und den Menschen verbunden. Auch ich habe rassistische Erfahrungen gemacht, diese aber oft mit mir selbst ausgemacht.
Im letzten Jahr haben zwei Dinge für mich alles verändert: die Schwangerschaft meiner Freundin und der Mord an George Floyd. Von einem auf den anderen Moment war eine Frage bestimmend: Wie soll ich das jemals meinem Sohn erklären? Das war der Moment, in dem ich vom schwäbischen jungen Mann zum schwäbisch-afrokaribischen, schwarzen werdenden Vater wurde. Und als der konnte ich nicht mehr nichts tun. Also habe ich schwarze Menschen ganz gezielt nach ihren Erfahrungen gefragt. Damit weiße Menschen verstehen – und hoffentlich gemeinsam im Dialog mit uns für eine antirassistische Zukunft kämpfen.
Klar ist: Es reicht nicht, neutral zu sein. Wir müssen zu Antirassist*innen werden und das beginnt bei unseren Kleinsten, im Kindergarten, in den Schulen, hört dann aber nicht auf, sondern muss konsequent in den Köpfen bleiben. Den Mund auch bei scheinbar harmlosen Sprüchen aufmachen und dazwischengehen – das ist die Aufgabe von uns allen, als eine Gesellschaft mit all ihren schönen Facetten.“
https://magazin.tws.de/dominik-lucha/



Am Zukunftstag des Seminars zeigt das Seminar Flagge. Über 100 Referendarinnen stellten sich am letzten Tag der Modulwoche zu einer Regenbogenfahne auf, um im wahrsten Sinne des Wortes Flagge zu zeigen für Toleranz und Vielfalt sowie gegen Rassismus und Ausgrenzung. Der Zukunftstag zu den fächerübergreifenden Themen Demokratiebildung, Diversität, Nachhaltigkeit und Medienbildung fand zum zweiten Mal statt.
Klick das Bild!
Auch in der Woche des Diversity Days erinnert das Seminar an die Werte und Prinzipien, die im Grundgesetz verankert sind und unsere Gesellschaft im Inneren zusammenhalten.

Machbarkeitsüberlegungen von schulischen Divsersitätsprojekten Kurs 2025 nach der Methode WOW-HOW-NOW-CIAO



